Wer freut sich nicht, wenn die Enkel zu Besuch vorbeikommen. Nach einem netten Gespräch bei Kaffee und Kuchen fehlt dem älteren Mitbürger aber auf, dass etwas fehlt. Schmuck, Geld, Wertgegenstände. Plötzlich ist der Verdacht da, Opfer des sogenannten Enkeltricks geworden zu sein. Schuldgefühle und Scham sind groß, doch man sollte sich nicht verstecken, sondern mit anderen darüber reden, mit Freunden, Familie und vor allem mit der Polizei.

Die Sitzung des Parlamentsarbeitskreises der Seniorenunion (PSU) der Hessischen CDU Landtagsfraktion hat sich im September mit SÄM beschäftigt. SÄM ist die Abkürzung für Straftaten zum Nachteil älterer Menschen. Petra Lezius und Bettina Chrysakopoulos von der Stabsstelle E4 für Prävention des Polizeipräsidiums Westhessen stellen dabei ihre Arbeit rund um die Kriminalitätsvorbeugung vor, vor allem im Bereich der Seniorensicherheit.

Geladen hat sie die Vorsitzende des PSU, die Abgeordnete Irmgard Klaff-Isselmann. Die bisherige Klientel für die Polizistinnen waren bisher meist Privatpersonen und Firmen. Landtagsabgeordnete sind für die Präventionsarbeit hervorragende Multiplikatoren, tragen sie doch die Themen mit in ihre Wahlkreise.

„Leider nutzen viele Kriminelle die Gut- und Leichtgläubigkeit älterer Menschen aus. Der Enkeltrick ist dabei am weitesten verbreitet. Jemand gibt sich als Enkel aus und erbittet Geld oder stiehlt heimlich Wertgegenstände aus der Wohnung. Auch neu ist, dass Betrüger sich als Polizisten ausgeben und behaupten, man sei ein zukünftiges Einbruchsopfer und daher müsse alles Bargeld und Schmuck in Sicherheit gebracht werden. Beliebt ist auch der Banktrick: hierbei gibt sich ein Krimineller als Bankangestellter aus und behauptet, dass gerade abgehobene Geld sei fehlerhaft und müsse zurückgegeben werden. Der Schaden beläuft sich pro Person schon einmal auf bis zu 100.000 Euro“, so Lezius und Chrysakopoulos

Mit Hilfe von Fachvorträgen, Infoständen und Infomobilen mit Seniorenvereinen, bei den Landfrauen oder Kirchen versucht die Polizei, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Dabei ist es oftmals hilfreich, wenn man von eigenen Erfahrungen berichtet. „Das Schamgefühl ist oftmals groß, doch wer von seinem Erlebten erzählt, fühlt sich hinterher oftmals erleichtert“, so Chrysakopoulos.

Besonders großes Augenmerk für die Präventionsarbeit leisten auch die SFS: Sicherheitsberater für Senioren. Diese SFS sind ehrenamtlich tätig und dienen sowohl als Ansprechpartner für Opfer von Betrug als auch für vorbeugende und aufklärerische Maßnahmen. „In Westhessen gibt es schon über 150 dieser Helfer und der Andrang ist groß“, zeigt sich Lezius erfreut.

Beliebt sind auch die bekannten Kaffeefahrten. „Nicht alle Kaffeefahrten bedienen sich eines unlauteren Wettbewerbs oder sind grundlegend zu meiden. Aber hier gilt es, aufzupassen und stets kritisch zu bleiben. Kaufen muss man nichts und man hat ein zwei wöchiges Widerrufsrecht“, erklärt Chrysakopoulos.

Zum Schluss hat die Polizei einen wichtigen Rat für alle Menschen, besonders Senioren: „Seien sie stets achtsam, hinterfragen sie Dinge. So ruft die Polizei bei ihnen nie mit der 110 an. Das ist der Notruf. Wenn sich die Polizei bei ihnen melden, dann nur mit unterdrückter Nummer oder selten mit Vorwahl und Rufnummer der Polizeistelle. Auch sollten sie niemals viel Geld bei sich haben oder zuhause lagern. Geben sie Fremden kein Geld und rufen sie im Zweifel lieber die Polizei. Vor allem: nutzen sie ihre Bank EC Karte. Sie ist sicherer als Bargeld mit sich zu führen“, schließt Lezius ab.

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